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Geschrieben von Guardian am 01.10.2005 um 23:53:

  Rommel am Monte Matajur

Auf vielfachen Wunsch von Dark Angel werde ich Auszüge aus Mythos Rommel abtippen und hier der Übersichtlichkeit halber posten.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Rommel an der Maas und westlich von Verdun, in den Argonnen und den Hochvogesen, in Rumänien und in Italien. Er wurde zwei Mal schwer verwundet, zum Oberleutnant befördert und mit dem Eisernen Kreuz Erster und Zweiter Klasse ausgezeichnet. Die Erstürmung des Monte Matajur in den Julischen Alpen im Oktober 1917 wurde zum Höhepunkt seiner Kriegslaufbahn. In diesem Einsatz gegen italienische Truppen zeigte sich wie in einem Prisma, was Rommels Art, Krieg zu führen, außergewöhnlich machte.

Im August 1917 waren den Italienern aus dem Isonzotal heraus zum ersten Mal tiefe Einbrüche in österreichisches Gebiet gelungen. Damit war die österreichische Front ernsthaft bedroht. Das deutsche Feldheer musste dem Bündnispartner beispringen und verlegte sieben Divisionen an die Isonzo-Front.

Das Ziel der geplanten Gegenoffensive der 14. Armee unter General Otto von Below war der Vormarsch bis zum Golf von Venedig. Dabei mussten zunächst die in drei Linien gestaffelten und gut ausgebauten Verteidigungsstellungen der Italiener am Isonzo überwunden werden. Die dritte als äußerst schwer einnehmbar geltende Stellung der italienischen Truppen zog sich über den Rücken des Monte Kolovrat bis zum Monte Kuk weiter bis zum Monte Matajur, Auf den Höhen und Berggipfeln lagen Zehntausende italienischer Soldaten in gut ausgebauten Befestigungen und beherrschten die unter ihnen liegenden Hänge. Mit der Erstürmung dieser Stellungen hatte Below das Deutsche Alpenkorps beauftragt. In ihm standen auf dem rechten Angriffsflügel das Königlich Bayerische Infanterie-Leib-Regiment, die „Leiber“ und das Württembergische Gebirgs-Bataillon, bei dem Oberleutnant Erwin Rommel mittlerweile seine Heimat gefunden hatte.
Zwischen den Bayern und den Württembergern herrschte eine gewisse Konkurrenzsituation, die vor dem Ausbruch der Schlacht von General Below noch geschürt wurde, indem er für den Bezwinger des Monte Matajur die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, den Pour le Mérite, auslobte. Am 24. Oktober gegen 2.00 Uhr nachts begann die große Offensive mit einem Trommelfeuer der Artillerie auf die italienischen Stellungen. Bei Tagesanbruch setzten sich die Truppen aus ihren Bereitstellungsräumen bei strömendem Regen in Marsch. Rommel stand, obwohl erst Kompanieführer, an der Spitze von 500 Soldaten. Drei Gebirgskompanien und eine Maschinengewehr-Kompanie bildeten zusammen die so genannte Abteilung Rommel. Schon bald war die erste italienische Stellung durchbrochen und mit mehreren Stoßtrupps begann der Aufstieg.

Rommels Abteilung suchte sich so behutsam und lautlos wie möglich ihren Weg durch den von Buschwerk und verkrüppelten Bäumen überwucherten Hang. Was Rommel nicht wusste: Die Italiener hatten seine Vorhut schon entdeckt und warteten nun, bis sie vor den Läufen ihrer Maschinengewehre auftauchte. Die Überraschung gelang. In scharfem Feuer wurden fünf württembergische Gebirgsschützen verwundet. Ein Durchbruch schien unmöglich. Rommel handelte sofort. Er ließ die Vorhut vor dem italienischen MG-Nest in Stellung gehen und zog sich unauffällig mit seiner Abteilung zurück. Im Schutz des Buschwerks begann er parallel zur italienischen Stellungslinie einen waghalsigen Aufstieg.
Nach über einer halben Stunde stieß Rommel auf einen getarnten Weg der Italiener. In ca. 60 Meter Entfernung konnte er einen Unterstand der italienischen Verteidigungslinie sehen. Rommel befahl seiner Abteilung, sich lautlos zum Angriff zu formieren. Noch schien die italienische Besatzung vollkommen ahnungslos. Dennoch war ein frontaler Angriff ein waghalsiges Unternehmen. Da entwickelte Rommel eine verwegene Idee. Ein Spähtrupp sollte ganz offen den getarnten Weg der Italiener benutzen und sich so verhalten als sei es eine Gruppe Italiener auf dem Rückweg aus einem vorgeschobenen Posten. Die kühne Kriegslist ging auf. Ohne einen Schuss abzugeben gelang es mit nur acht Gebirgsschützen in die Stellung der völlig überraschten Italiener einzudringen und die Besatzung zu überwältigen. Rommel hatte die zweite Verteidigungslinie durchbrochen.
Beharrlich trieb er seine Abteilung jetzt weiter. Aber Rommel war nicht mehr allein – gegen 11.00 entdeckte er in der Ferne Teile des Königlich Bayerischen Infanterie-Leib-Regiments. Der Oberleutnant schloss mit seiner Abteilung eng zu den „Leibern“ auf und erreichte nach einigen kleineren Gefechten gegen 17.00 Uhr eine Felsenkrone, die direkt unter der so genannten Höhe 1114 lag. Offensichtlich passte das auftauchen der Württemberger dem Kommandeur des Bayerischen Leib-Regiments Major Graf Max von Bothmer nicht besonders. Gegen 19.00 Uhr befahl er Rommel zu sich und untersagte ihm ausdrücklich jeden Vorstoß gegen Höhe 1114 oder den Monte Matajur. Bothmer spielte nicht mit offenen Karten. Was er Rommel verheimlichte: Schon eine Stunde zuvor war der 12. Kompanie der Einbruch in die italienischen Stellungen auf der auf der Gipfelkuppe von 1114 gelungen. Schörner sollte dafür später mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet werden.

Beim ersten Morgengrauen, Rommels Kommandeur Major Theodor Sproesser hatte Bothmers Befehl wieder aufgehoben, brach die Abteilung Rommel auf und bewegte sich mit größter Vorsicht parallel zur italienischen Verteidigungslinie in Richtung Westen. Nach über einer Stunde gelang es Rommel, eine Hand voll italienischer Soldaten in ihrer Stellung zu überrumpeln. Blitzschnell führte Rommel seine Abteilung jetzt über die Hindernisse in die italienische Verteidigungslinie. Die Kolovrat-Stellungen waren zum ersten Mal wirklich durchbrochen. Und während von der Höhe 1114 dumpf der Gefechtslärm hallte, überraschten Rommels Gebirgsschützen Hunderte italienischer Soldaten, indem sie lautlos von hinten in die italienischen Stellungen eindrangen.


Es ist noch nicht zu Ende. Augenzwinkern Der Rest folgt in kürze.



Geschrieben von miLLer am 02.10.2005 um 05:36:

 

nice, mach mal weiter Augenzwinkern

Muss mal die Berichte über die italienischen Alpini Aktionen finden. Waren maßgeblich für die Landgewinne an der Isonzofront verantwortlich, da sie die steife Kriegsführung durch ihre Kommandoaktionen auf Skiern durchbrechen konnten.

je mehr man darüber nachdenkt, die meist unterschätzte Front im 1. WK Augenzwinkern

(zumindest in unserer Geschichtsschreibung)

edit:

ist glaube ich auch förderlich einen gesamtüberblick über die kämpfe zu bekommen, hab da einen sehr kompakten und kurzen text bereit. tipp ich morgen (heute) mal ab.



Geschrieben von Guardian am 02.10.2005 um 13:20:

 


Erst nach einer Viertelstunde wurde Rommels Coup auch von anderen italienischen Einheiten entdeckt. Den folgenden Gegenstoß konnte Rommel in letzter Sekunde zu seinen Gunsten wenden. Der legendäre Sturm auf den Monte Matajur begann. Gegen 11.15 Uhr kämpfte Rommels Abteilung schon um den Osthang des Monte Kuk. Ohne sich mit verlustreichen Kämpfen um den Gipfel aufzuhalten, stießen die Gebirgsschützen drei Kilometer tief in Richtung der nächsten Bergspitze, den Monte Cragonza, vor. Dabei verlor die Abteilung den Anschluss an Rommels Vorhut. Mit nur 150 Mann befand er sich jetzt hinter feindlichen Linien. Gegen 15.30 Uhr hatte Rommel seine Abteilung wieder so weit gesammelt, dass der Aufstieg zum Monte Cragonza gewagt werden konnte. Am 26. Oktober gegen 5.00 Uhr morgens begann der Sturm gegen die italienischen Bergstellungen. Keine zwei Stunden später war die italienische Besatzung nach schweren Kämpfen überwunden. Vom Cragonza trieb Rommel seine Männer weiter auf den nächsten Berg, den Mrzli Vrh.

Aber während sich die Abteilung noch zum Angriff formierte, traf ein Befehl Major Theodor Sproessers bei Rommel ein: „Württ[embergisches] Gebirgsbataillon kehrt marsch.“ Der Regimentskommandeur war über die große Zahl der Gefangenen – allein 3200 italienische Soldaten waren in den letzten 24 Stunden von der Abteilung Rommel entwaffnet worden – so erstaunt, dass er davon ausging, der Widerstand auf dem Matajur-Massiv sei bereits gebrochen. Rommel dachte überhaupt nicht daran, jetzt umzukehren. Er schickte den größeren Teil seiner Gebirgsschützen zurück und setzte den Vormarsch eigenmächtig mit nur 100 Mann fort.

Dabei kam Rommel zugute, dass die italienischen Soldaten von den Erfolgen seiner Privatoffensive bereits so zermürbt waren, dass sie sich teilweise freiwillig ergaben. Auch die letzte große italienische Truppenansammlung auf den Mrzli Vrh, das 2. Regiment der Brigade Salerno, legte die Waffen gegen 11.00 Uhr kampflos nieder. Rommel war den italienischen Soldaten allein, Taschentuch schwenkend, entgegen gelaufen. 1500 Meter trennten ihn jetzt noch von seinem Ziel. Wie im Rausch stieg er mit seinen Soldaten dem Gipfel des Monte Matajur entgegen. Als die italienische Besatzung auf der Spitze des Berges die Gebirgsschützen unter sich entdeckte, legte auch sie die Waffen nieder. Der Berg war erobert. „Um 11.40 Uhr des 26. Oktober 1917“, so schrieb Rommel in seinen Erinnerungen, „verkünden drei grüne und eine weiße Leuchtkugel, dass das Matajur-Massiv gefalllen ist. Ich ordne für meine Abteilung eine einstündige Gipfelrast an. Sie ist wohl verdient.“

Für Rommel war es ein außergewöhnlicher Sieg. „Von der Tat der Erstürmung des Monte Matajur“, so schrieb später Kurt Hesse, ein Freund und Kollege an der Dresdner Infanterieschule, „muss er verstanden werden. Im Grunde genommen blieb er der gleiche Leutnant im Erfassen der Augenblickssituation und dem sich daraus ergebenden blitzartigen Handeln.“ Rommels Taktik war eben so einfach wie wirkungsvoll: „Überraschung hinsichtlich Zeit und Ort schafft die Lage.“ Rommels Ideen wurden für Generationen von Offizieren im In- und Ausland richtungweisend.

Rommels Taktik hatte natürlich auch ihre Abseiten. Mehr als einmal war er beim Sturm auf den Monte Matajur so weit vorgestoßen, dass die Verbindung zum Gros der Abteilung abgerissen war und ihm die Vernichtung drohte. Das war in manchen Situationen nichts anderes als ein gefährliches Vabanquespiel gewesen; auch wenn Rommels unkonventionelle Gefechtsführung dazu beitrug, das Leben der ihm anvertrauten Soldaten zu schonen. Dafür hatte der junge „Leutnant Vorwärts“ seine Männer bis an die Grenzen ihrer physischen Leistungsfähigkeit geführt. „Vergießt Schweiß statt Blut“ wurde zu seinem ehernen Grundsatz. „Er war ausgesprochen hart“, so Hesse später über Rommel, „aber nicht nur gegenüber anderen sondern auch gegen sich selbst.“ Treffend hatte ein junger Offizier des Zweiten Weltkriegs Rommel einen „modernen Hannibal“ genannt, „den der Krieg toll machte, wie die Brunftzeit der Tiere“.


Es geht noch ein bisschen weiter bezüglich der Komplikationen, die der Pour le Mérite Rommel bescherte. Wenn Interesse besteht tipp ich das auch noch mal ab.



Geschrieben von [LG]DarkAngel am 02.10.2005 um 15:13:

 

Klasse Guardian, danke dafür ... und klar besteht Interesse an mehr! Freude

Jedenfalls finde ich, dass dieser Angriff eindeutig Rommel-Like ist, wie es im Text ja auch anklingt!



Geschrieben von 79.PzGrenRgt|McClane am 02.10.2005 um 15:23:

 

Zitat:
Original von miLLer
Muss mal die Berichte über die italienischen Alpini Aktionen finden. Waren maßgeblich für die Landgewinne an der Isonzofront verantwortlich, da sie die steife Kriegsführung durch ihre Kommandoaktionen auf Skiern durchbrechen konnten.


Schade, daß man in Nordafrika so schlecht Ski fahren kann, gell? Augenzwinkern

Zitat:
Original von miLLer
je mehr man darüber nachdenkt, die meist unterschätzte Front im 1. WK Augenzwinkern


Ich weiß nicht recht... wenn man sich die Auswirkungen der einzelnen Fronten auf die heutige Zeit vor Augen führt, dann würde ich eher dazu tendieren zu behaupten, daß die damalige "Nah Ost Front" (Palästina u.ä.) eine größere Beachtung verdient.



Geschrieben von Guardian am 03.10.2005 um 00:25:

 

Dark: In Mythos Rommel wird auch u.a. von seinen Einsätzen mit der Geisterdivision in Frankreich berichtet, man kann schon die charakteristische "Handschrift" erkennen.
Aber richtig Eindruck hat auf mich gemacht wie er in Afrika trotz schwerer Krankheit direkt an der Front geführt hat bis er abgelöst wurde... Und er hat auch nie aufgegeben. Das ihm der Pour le Mérite vorenthalten werden sollte war nicht die einzige Sauerei die ihm passieren sollte.

@ Palästina Front: Hätte jemand da Infos drüber? Ich hab speziell im Nahen Osten ziemliche Lücken, was da eigentlich alles gelaufen ist. Da gabs doch mal einen Film mit Mel Gibson, der hatte in der Türkei gespielt. Ich glaube Gallipolli, kann das sein?



Geschrieben von Guardian am 03.10.2005 um 00:55:

 

So als kleines Betthupferl das Ende des 1. WK für Rommel und der Beginn der Weimarer Republik. Interessant wirds dann erst wieder ab 1938/39 Augenzwinkern

Vom Monte Matajur aus blieb Rommel den zurückweichenden Italienern hart auf den Fersen. Seine Abteilung stand an der Spitze des Alpenkorps und damit an der Spitze der 14. Armee. Rommels Siegeszug sollte ihn bis an die Piave und nach Longarone führen. Da traf ihn Anfang November eine bittere Enttäuschung. In einer Frontzeitung entdeckte Rommel einen Bericht über die Verleihung des Pour le Mérite an einen Leutnant Walter Schnieber von der 4. Kompanie des Königlich Preußischen 4. Oberschlesischen Infanterie-Regiments Nr. 63. Kaiser Wilhelm II. persönlich hatte dem jungen Kompanieführer den begehrten achtzackigen, blau emaillierten Orden am 27. Oktober bei einem Frontbesuch um den Hals gehängt. Als Rommel las, wofür Schnieber die Tapferkeitsauszeichnung erhalten hatte, traute er seinen Augen nicht. Der schlesische Leutnant habe „durch seinen schneidigen, selbstständigen Entschluss und seine vorbildlich tatkräftige Führung im rücksichtslosen Draufgehen, unter Überwindung mehrfachen, heftigen f[eindlichen] Widerstandes mit der Gewinnung des alles beherrschenden Matajurberges einen entscheidenden Einfluss auf das weitere Vorgehen der Armee [ausgeübt]“. Was war geschehen? Am 25. Oktober nahm die 4. Kompanie des Oberschlesischen Infanterie-Regiments den Gipfel des Monte Colonna, der unmittelbar hinter dem Monte Matajur in den Himmel ragte. Der Kompanieführer Leutnant Schnieber meldete die Einnahme des Gipfels korrekt an seine Division. Doch hier wurde die Besteigung des Monte Colonna zur Eroberung des Monte Matajur umgemünzt. Die Jagd nach dem begehrten Orden trieb wie schon beim Kampf um die Höhe 1114 schon seltsame Blüten. Der Oberbefehlshaber der 14. Armee jedenfalls beantragte noch am 25. Oktober eingedenk seines Versprechens, den Pour le Mérite, der Leutnant Schnieber schon zwei Tage darauf verliehen wurde.

Rommel wandte sich unverzüglich an seinen Regimentskommandeur, um gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren. Doch Sproesser wiegelte ab. Daraufhin reichte Rommel eine schriftliche Beschwerde ein. Die Angelegenheit drohte zum Skandal zu werden. Der Generalstabschef der 14. Armee, Konrad Krafft von Dellmensingen, empfing Sproesser und Rommel am 3. November und schrieb am selben Tag darüber in seinem Tagebuch: „Ich verspreche, dass ich wenn der Bericht [von Sproesser und Rommel]sich bewahrheitet, dafür sorgen werde, dass trotz der nicht mehr Rückgängig zu machenden Eingabe für L[eutnant] Schnieber, das W[ürttembergische] G[ebirgs] B[ataillon] nicht zu schaden kommen soll.“ Gegen einen Pour le Mérite, den der Kaiser persönlich übergeben hatte ließ sich einfach nichts machen.

Rommels Beschwerde ging bis hinauf in das Militärkabinett Seiner Majestät des Kaisers. Dellmensingen hielt schließlich am 26. November in seinem Tagebuch fest: „Der Bericht der [12.] Division hat die Sache so gefärbt, als ob Schnieber dieses Verdienst zukommt, die [Verteidigungsanlagen] des Matajur ausgeschaltet und damit sinngemäß den Orden verdient zu haben. Das ist eine sehr gewundene Rechtfertigung. Man kann das eben noch als Ansichtssache gelten lassen, um nicht sagen zu müssen, dass die 12. Div[ision] nicht ganz richtig berichtet hat.“ Das war eine vornehme Umschreibung für eine offensichtliche Fälschung. Jedenfalls wurden Sproesser und Rommel schließlich auch für den Pour le Mérite eingereicht.

Es war eine bittere Lektion, die für Rommel zur traumatischen Erfahrung wurde. Ausgerechnet er, der in den Kämpfen um die Gebirgsstellungen an der Isonzo Front zweifellos die größte Leistung erbracht hatte, musste sich diese Auszeichnung auf dem Beschwerdeweg erkämpfen. Rommel mag diese Zurücksetzung einmal mehr in seinem Vorbehalt gegen gewisse Zustände im Offizierskorps bestärkt haben. Schon auf der Kriegsschule, so erzählte er später Stabschef in Afrika Siegfried Westphal, hatte der oft schüchtern wirkende, verschlossene Schwabe „mache Zurücksetzung erfahren, die sich in ihm festgesetzt hatte“. Eine kurze Abkommandierung im Januar 1918 zum „Generalkommando der zur besonderen Verfügung Nr. 64“, also weg von der Front zu einem höheren militärischen Stab, vertiefte Rommels Vorurteil. Er verzichtete nach dem Krieg auf die Ausbildung zum Generalstabsoffizier. Ein ungewöhnlicher Schritt für einen so hoch dekorierten und begabten Soldaten, weil er damit unter den damaligen Verhältnissen die Eintrittskarte in die Welt der Generale ausschlug. Rommel wollte bleiben was er war: Ein Mann der Truppe.

Am 18. Oktober, noch kurz vor Toresschluss, wurde Rommel zum Hauptmann befördert. Drei Wochen später war der Krieg zu Ende. Nach einem unblutigen Einsatz gegen einen Aufstand der „Roten Räte“ in Lindau 1919 wurde Rommel am 18. Oktober desselben Jahres auf die neue Republik vereidigt. Nach der ebenfalls unblutigen Verteidigung des Rathauses von Schwäbisch Gmünd, das aus Protest gegen den Rechtsradikalen Kapp-Putsch im März 1920 von aufgebrachten Arbeitern gestürmt werden sollte, wurde Hauptmann Rommel im Dezember 1921 zum Chef einer MG-Kompanie in Stuttgart. Hier sollte er für die nächsten acht Jahre Wurzeln schlagen.


Kurze Zusammenfassung der Zwischenzeit: Verschiedene Kommandos, Sohn Manfred Rommel wird geboren. Geliebte Walburga Stemmer stirbt an Lungenentzündung und die uneheliche Tochter Gertrud Stemmer wird in der Öffentlichkeit geheim gehalten. Briefe unterschreibt er mit "dein Onkel Erwin". Nur so als Randinfo über den Menschen Rommel.



Geschrieben von 79.PzGrenRgt|McClane am 03.10.2005 um 12:15:

 

Zitat:
Original von 79.PzGrenRgt|Guardian
@ Palästina Front: Hätte jemand da Infos drüber? Ich hab speziell im Nahen Osten ziemliche Lücken, was da eigentlich alles gelaufen ist. Da gabs doch mal einen Film mit Mel Gibson, der hatte in der Türkei gespielt. Ich glaube Gallipolli, kann das sein?


Ja, den Film gibts, und er spielt nicht nur auf Gallipolli, er heißt sogar so. Augenzwinkern
Wenn du Informationen zum Kriegsschauplatz Naher Osten suchst, gib z. B. mal in einer Suchmaschine deiner Wahl den Namen "Thomas Edward Lawrence" ein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_E._Lawrence

Nähere Informationen zur Landungsoperation bei Gallipolli:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Gallipoli



Geschrieben von [LG]DarkAngel am 03.10.2005 um 14:57:

 

Kein schlechter Film ... ich denke der Krieg auf dem Schauplatz war sicher kein Zuckerschlecken, aber wann ist das Krieg überhaupt einmal.


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